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Vorlesung & Seminar "Geschichte der Soziologie"
| Dozent |
Kurt Hammerich
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| Zeitaum |
WS 1999/2000 |
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| Inhalt |
Auf der Basis
von Vorlesungen wurden die jeweils behandelten Problemstellungen
in zusätzlichen Seminaren auf der Basis einer Textsammlung vertiefend
behandelt. Zunächst wurden die einzelnen Phasen der Institutionalisierung
von Soziologie in Großbritannien, Frankreich, Deutschland und
den Vereinigten Staaten aufgearbeitet. Nachfolgend wurden die
einzelnen Etappen der deutschen Entwicklung behandelt, ausgehend
vom Verein für Sozialpolitik und der Deutschen Gesellschaft für
Soziologie mit Schwerpunktsetzung auf die Zeit der Weimarer Republik,
des Nationalsozialismus und der 50er bis 90er Jahre dieses Jahrhunderts.
Im zweiten Schritt wurden Modelle einer anwendungsorientierten
Soziologie analysiert. Im Mittelpunkt standen hierbei vor allem
die Problemkomplexe: Arbeit, Technik und Umwelt sowie Soziale
Probleme und Sozialplanung.
Das Seminar diente der Repetition, Vertiefung und Erweiterung
der in der Vorlesung vermittelten Inhalte. Sie war weitgehend
als Lektürekurs konzipiert und orientierte sich an dem der gesamten
Vorlesung zugrunde liegenden Reader. Dabei bot sie die Möglichkeit,
den Umgang mit wissenschaftlichen Texten zu üben und Kurzreferate
zu halten. |
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| Download |
Zusammenfassung
des Buches "Einführung
in die Geschichte der Soziologie"

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| Literatur |
- Jahrbuch
für Sozialgeschichte (1990ff.), Opladen: Leske + Budrich
- Hermann Korte (2000): Einführung in die Geschichte der
Soziologie. Opladen: Leske+Budrich (Bestellen...)
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| Link |
Institut
für Soziologie an der RWTH Aachen |
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| Mitschriften |
Unipage
von Ruben Keuchen |
Zusammenfassung des Buches
"Einführung
in die Geschichte der Soziologie"
Hermann Korte (2000). Opladen: Leske+Budrich.
(Bestellen...)
Anfänge der "Soziologie"
- Wilhelm Dilthey:
"Soziologie ist keine Naturwissenschaft, auf die sich die bekannten
wissenschaftlichen Methoden anwenden lassen. Soziologie ist eine
Gegenwartswissenschaft."
- Die Soziologie
als Wissenschaft entstand in England. In Frankreich erst ca. 100
Jahre später, als das Bürgertum 1789 die Macht erlangte.
- Comte hat den
Begriff "Soziologie" als erster verwendet. Damals wurden
noch zahlreiche Methoden verwendet.
Karl Marx (1818
- 1883)
- Zeitgleich
zur Revolution von 1848 erschien das "Manifest der kommunistischen
Partei".
- Dann "Das
Kapital".
- Marx übte
Kritik an Hegel und Feuerbach, die die ökonomische Situation
des Menschen in ihren Untersuchungen nicht beachteten.
- Bei Marx ist
die Verbesserung der ökonomischen Situation das höchste
Ziel aller Tätigkeiten.
- Seine Forderung:
Der Mensch soll am Ende "frei" sein (Aufhebung aller Klassenunterschiede).
- Seine Behauptung:
Es gibt zwei Klassen und ständige Klassenkämpfe.
- Seine These:
Arbeit ist die Basis des menschlichen Lebens.
- Struktur der
Gesellschaft nach Marx:
Überbau (Gesetze, Recht, Kunst, Religion, Moral, Staatsform)
Basis (Produktivkräfte: 1. Produktionsmittel, 2. Arbeitskraft)
- Das (Besitz-)Verhältnis
zwischen Produktionsmittel und Arbeitskraft bestimmt die Produktionsweise
=> Bsp.: Den Arbeitern gehört nix.
- Marx unterscheidet
verschiedene Gesellschaftsformen:
1. Urgesellschaft
2. Sklavenhalterordnung
3. Feudalismus
4. Kapitalismus
5. Kommunismus
- Marx verwendet
einen analytischen Klassenbegriff. Sein Kriterium: Besitz oder Nichtbesitz
an Produktionsmitteln. Im Gegensatz dazu steht der deskriptive Schichtbegriff.
- Marx fordert
Revolution. Der Ablauf:
- Ausbeutung
- Erkennen der Situation
- Verbündung / Kommunikation
- Zunahme an Kämpfen
- Sieg = Diktatur des Proletariats
- Das Ergebnis:
Die klassenlose, kommunistische Gesellschaft
- Marx These:
Das Sein bestimmt das Bewußtsein.
- Marx nennt
sich nicht Ideologe, da er (seiner Meinung nach) die wahre Sitation
erkannt hat.
England am
Ende des 19. Jahrhunderts | Herbert Spencer (1820 - 1903)
- Spencer prägte
den (naturwissenschaftlichen) Organismusbegriff und Evolutionsbegriff.
Er versuchte damit die Gesellschaft zu charakterisieren.
- Man nennt dies
auch "synthetische Philosophie".
- Spencers These:
Jeder Organismus versucht zu überleben. Dafür ist ein
Gleichgewicht zwischen Organismus und Umwelt nötig. Damit dies
stabil bleibt, müssen Differenzierungen am Organismus durchgeführt
werden.
=> Survival of the fittest.
=> Evolutionsgesetz
- Spencers These:
Vom Einfachen zum Komplexen durch Differenzierungen.
- Spencers These:
Von unzusammenhängender Gleichartigkeit zu zusammenhängender
Verschiedenheit. Bsp.: Vom primitiven Menschen zur komplexen Gesellschft.
- Er unterscheidet
die militärische Gesellschft (geprägt durch Unfreiheit)
von der industriellen Gesellschaft (geprägt durch Freiheit).
- Spencer lehnte
die Sozialpolitik ab und behauptete, der Fitteste wird sich schon
durchsetzen.
- Entwicklung:
unorganische -> organische -> superorganische Lebensformen
- Stichwort:
Manchester Liberalismus
- Kritik: Die
Ausbeutung der Arbeitskräfte wird bei Spencer bewußt
eingeplant. Arbeitskräfte waren damals in England nur "Verbrauchsmaterial",
das ersetzbar war, da es Arbeiter in ausreichender Anzahl gab.
Frankreich
am Ende des 19. Jahrhunderts | Emile Durkheim (1858 - 1917)
- Durkheims These:
Es findet eine Entwicklung statt von der segmentierten Gesellschaft
(geprägt durch mechanische Solidarität) hin zur arbeitsteiligen
Gesellschaft (organische Solidarität). Wichtig ist dabei die
Arbeitsteilung. Die Arbeitsteilung sorgt für die Integration
des Einzelnen in die Gesellschaft. Arbeitsteilung wird zum "sozialen
Bund".
- Er definiert:
1. Morphologie
2. Normen
3. Kollektivbewußtsein (nimmt ab, Individualisierung)
- Durkheims Begründung
dafür, daß die Soziologie eine eigenständige, wissenschaftliche
Disziplin ist: Soziale Realitäten existieren unabhängig
von den einzelnen Individuen.
- Seine Ziele:
Verbesserung der Gesellschaft, Ende der Anomie, neue Morallehre
- Es gibt soziale
Ungleichheit. Also wird eine neue Moral gebraucht.
- Er untersucht
den Selbstmord und findet 3 Arten des Selbstmordes:
1. egoistischer Selbstmord (kein Sinn im Leben)
2. altruistischer Selbstmord (Sinn liegt außerhalb des Lebens)
3. anomischer Selbstmord (Handeln wird regellos)
- Durkheim war
erster Soziologie-Dozent und etablierte die Soziologie als eigene
Wissenschaft.
Entwicklungen
in Deutschland um die Jahrhundertwende
- Industrialisierung
fand in Deutschland später statt.
- Preußen
und ab 1871 das Deutsche Reich waren Ständestaaten, Monarchien
mit gut funktionierendem Beamtenapparat.
- Ferdinand
Tönnies (1855 - 1936)
Er hat versucht, die Soziologie zu etablieren
Buch: "Gemeinschaft und Gesellschaft". Die Gemeinschaft
war vorindustriell. Die Gesellschaft ist sein Meinung nach modern,
aber entfremdet. Kürwille vs. Wesenwille. Aus diesem Wandel
ergeben sich Probleme.
Tönnies war in seinen Vorstellungen immer noch dem Kaiserreich
verhaftet.
- Georg Simmel
(1858 - 1918)
Seine Thesen:
- Soziologie ist eine Methode, die in vielen Wissenschaften verwendet
werden kann.
- Begriff der Wechselwirkung.
- Gesellschaft ist ein Prozeß => Vergesellschaftung
- Die "Philisophie des Geldes" => Entfremdungstheorie
(Zwänge und Anonymität durch Geld)
- Tragödie der Kultur
- Tönnies
und Simmel standen beide in der Tradition des Kaiserreichs und konnten
sich deshalb nicht durchsetzen.
Max Weber (1864
- 1920)
- Wichtig: Deutsche
Gesellschaft für Soziologie
- Mitbegründer Tönnies, Simmel, Weber
- Gründung 1909
- Austritt Webers 1912
- Die zentrale
Fragestellung Webers: Wie ist der westliche Kapitalismus entstanden?
- 1. Untersuchnung
Webers: Vom Gutsherren zum Agrarunternehmer -> Verarmung, Wanderarbeiter,
etc.
Er kam zu folgenden Ergebnissen / Erkenntnissen:
- Berufsethik:
Protestantismus (puritanisch, calvinistisch) => ökonomischer
Rationalismus
(Protestanten mußten sich im Diesseits bewähren und wurden
dadurch produktiver)
- Berufsarbeit:
innerweltliche Askese und systematische Selbstkontrolle)
- Mit zunehmendem
Reichtum verschwand der religiöse Aspekt und das ökonomische
Erfolgsstreben wurde zur Selbstverständlichkeit.
- Weber macht
keine Zukunftsprognosen wie Kark Marx.
Marx: materielle Situation ist bestimmend. (Sein bestimmt das Bewußtsein)
Weber: Religiöser Aspekt tritt hinzu.
- Weber untersuchte
auch soziales Handeln und soziale Beziehungen.
=> "stahlhartes Gehäuse"
- Der Werturteilsstreit:
Strikte Trennung zwischen Tatsachen und Wirkungen = Trennung von
Wissenschaft und Politik.
=> Kritische Selbstreflektion = Untersuchung der eigenen Stellung
und Werte
Deutsche Soziologie
zwischen 1918 und 1933
- Deutsche Soziologen
waren meist mit sich selbst beschäftigt oder damit beschäftigt,
das Fach Soziologie an den Unis zu etablieren. Also haben sie nicht
in die Gegenwartspolitik eingegriffen.
- Bedeutende
deutsche Soziologen zu dieser Zeit:
- Leopold von Wiese (1876 - 1969) - Köln
- Alfred Weber (1868 - 1958) - Heidelberg
- Karl Mannheim (1893 - 1947) - Heidelberg
- Hans Freyer (1887 - 1969) - Leipzig
- Hans Freyer
wurde Nachfolger von Tönnies in der Deutschen Gesellschaft
für Soziologie. Er sympathisierte mit den Nationalsozialisten.
Er wollte die Einheit der Gesellschaft wieder herstellen => Volksgedanke.
Dieses Volk benötigte (seiner Meinung nach) einen Führer.
Frankfurter
Schule - Soziologie im Exil
- Frankfurt:
Institut für Sozialforschung
- Geschichte:
- 1923: Gründung als marxistisches Institut
- 1933: Auflösung durch die Nationalsozialisten
- 2. Direktor
und Mitgründer: Max Horkheimer (1895 - 1973), Hauptaussagen:
- Verlagerung der Untersuchungen hin zur Analyse des Überbaus
(speziell Kultur).
- Betonung der Interdiszilinarität, lehnt Soziologie als Einzelwissenschaft
ab.
- Formuliert die "kritische Theorie"
(angelehnt an Marx unter Miteinbezug des Überbaus; soll
praktisch, d.h. kritisch
eingesetzt werden)
- Er stellt sich gegen Werturteilsfreiheit.
- Er akzeptiert außer der Psychoanalyse keine anderen Wissenschaftsrichtungen.
- Seine These: Schon in der Familie werden Autoritätsmuster
vermittelt, wie man sich an Wirtschaft und Gesellschaft anzupassen
hat. Der Staat will dort immer mehr eingreifen.
- Andere Soziologen
dieser Zeit:
- Erich Fromm (1900 - 1980)
- Theodor Wiesengrund-Adorno (1903 - 1969)
- Mit zunehmendem
Nationalsozialismus geht ein Großteil dieser Soziologen ins
Exil nach New York. Dort führen sie zum Beispiel Untersuchungen
zum Holocaust und Antisemitismus durch.
- Insgesamt sind
ihre Ergebnisse sehr pessimistisch. Später wurden sie aber
wichtig für die Studentenbewegung.
Amerikanische
Soziologie
- Chicagoer Schule,
Hauptaussagen:
- Untersuchungen zur Stadtsoziologie (Konkurrenz)
- Räumliche Strukturen sind mit biologischen Strukturen zu
vergleichen
=>
Spencer / Darwin
Deutsche Soziologie
nach dem 2. Weltkrieg
- Es wurden Re-Education-Programme
der Allierten durchgeführt.
- Deutsche Soziologen
wurden angeleitet. Sie sollten den Wiederaufbau stützen.
- Helmut Schelsky
(1912 - 1984), Hauptaussagen:
- Wichige Veröffentlichung: "Die skeptische Generation"
--> Abwendung der Gesellschaft von der Politik nach
dem Krieg.
- Nivellierte Mittelstandsgesellschaft. Sozialgesetzgebung unterstützt
dies.
- Hohe Arbeitsbereitschaft.
- Ralf Dahrendorf
(1929 - ...), Hauptaussagen:
- Klassentheorie (Einteilung nach Anteil an Macht / Autorität)
- Latente und manifeste Interessen
--> Gründung von Gewerkschaften, etc.
- Jürgen
Habermas (1929 - ...), Hauptaussagen:
- fordert "Kommunikative Rationalität"
- später Vertreter der Frankfurter Schule
Studentenbewegung
60er Jahre
- Ursachen:
- Die Jugend wollte Nazi-Vergangenheit aufarbeiten. Die Eltern-Generation
wollte dies nicht.
- Notstandsgesetze sollten eingeführt werden. APO
war gegen diese Notstandsgesetze
und die Koalition von SPD & CDU
- Kritik
der Jugendlichen am Vietnam-Krieg
- Herbert
Marcuse (1898 - 1979), Hauptaussage:
- Lustprinzip, statt Leistungsprinzip
- 1968 fand das
Attentat auf Rudi Dutschke statt.
- Es entflammte
der "Positivismusstreit"
Autor: Carsten Seel - info@seel.net - www.carstenseel.de
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